Darlehen/Kredit vom Jobcenter/Arbeitsamt beantragen: Wie geht das?

Jobcenter KreditRund 18.700 Darlehen gewährten die Jobcenter in Deutschland monatlich im Jahr 2014. Dies bedeutete einen Anstieg gegenüber dem Jahr 2013 um rund fünf Prozent. Die Zahl der monatlichen Darlehensauszahlungen betrug damals 17.800. Die Zahl derjenigen, die zusätzlich zur Grundsicherung steigenden finanziellen Bedarf haben, wächst kontinuierlich. Wie funktioniert aber ein Kredit vom Jobcenter?

Unabweisbarer Bedarf

Jobcenter gewähren zinslose Darlehen, wenn der Empfänger der Grundsicherung einen unabweisbaren Bedarf nachweisen kann. Dies regelt der § 23 des zweiten Sozialversicherungsgesetzbuches.

Darunter fällt beispielsweise die notwendige Anschaffung eines neuen Kühlschranks. Grundlage für die Gewährung eines Kredites vom Jobcenter ist die Voraussetzung, dass der Antragsteller die finanziellen Aufwendungen nicht aus eigener Kraft tragen kann und auch keine weiteren Möglichkeiten bestehen, die finanziellen Mittel aufzubringen.

Während ein Kühlschrank zu den lebensnotwendigen Haushaltsgeräten zählt, fällt ein defekter Fernseher beispielsweise nicht darunter. Das Arbeitsamt kann zum einen den Kredit verweigern, wenn es keinen unabweisbaren Bedarf erkennt, kann aber auch statt eines Darlehens eine Sachleistung, beispielsweise einen gebrauchsfähigen, gebrauchten Kühlschrank zur Verfügung stellen.

Ein unabweisbarer Bedarf kann aber auch bestehen, wenn aufgrund von Mietrückständen die Kündigung der Wohnung und daraus resultierend eine Obdachlosigkeit droht, oder der Strom wegen offener Rechnungen abgestellt wird.

Wie sieht es bei einem Auto aus?

Es gilt die Ausnahmeregelung, dass ein Kredit vom Jobcenter auch für die Anschaffung eines Autos gewährt werden darf. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug notwendig ist, um an einen neuen Arbeitsplatz zu gelangen. Dazu muss der Antragsteller eine Bestätigung des künftigen Arbeitgebers und den Kaufvertrag für das Auto vorlegen. Der Kaufpreis des Fahrzeuges darf 1.500 Euro nicht überschreiten.

Das Schuljahr beginnt

Leben Kinder in der Bedarfsgemeinschaft des Beziehers der Grundförderung, können auch Sonderleistungen, die keinen unabweisbaren Bedarf darstellen, in Form eines Kredites vom Jobcenter finanziert werden. Dazu zählen anzuschaffende Schulmaterialien, wenn der Gegenwert das Volumen des Bildungspaketes von 100 Euro im Jahr überschreitet. Dies kann sehr schnell der Fall sein, bedenkt man die Großzügigkeit mancher Lehrer, mit der sie das Geld der Eltern der Schulkinder ausgeben.

Der Wiedereinstieg in das Berufsleben

Die Jobcenter sind natürlich daran interessiert, dass die Bezieher von Grundsicherung wieder in das Berufsleben integriert werden. Dies kann aber in vielen Fällen nur durch eine Vorausleistung des potentiellen Arbeitnehmers geschehen. Aus diesem Grund unterstützen die Jobcenter in einigen Fällen die Arbeitsaufnahme durch ein Darlehen. In folgenden Fällen wird bei Aufnahme einer Berufstätigkeit ein Darlehen vom Jobcenter als Beihilfe gewährt:

  • Übergangsbeihilfe: Eine Übergangszahlung bis zum ersten Gehaltseingang.
  • Ausrüstungsbeihilfe: Arbeitskleidung und Arbeitsmaterialien, sofern diese vom Arbeitnehmer selbst zu stellen sind.
  • Reisekostenbeihilfe: Fahrtkosten für die Fahrt zu einem auswärtigen Arbeitsplatz.
  • Fahrtkostenbeihilfe: Die Fahrtkosten für die tägliche Hin- und Rückfahrt zum Arbeitsplatz am Wohnort.

Kredit vom Arbeitsamt – Weitere Darlehensmöglichkeiten

Der Paragraf 22, Abs. 2, S. 2 SGB II sieht noch weitere Gründe für Darlehen vor:

  • Mietkaution
  • Für Eigentümer Kosten für Instandhaltung und Instandsetzung
  • Aufwendungen für die Eingliederung von Selbstständigen

Die Rahmenbedingungen für einen Kredit vom Jobcenter

Ein Kredit vom Jobcenter wird zinslos gewährt. Er muss schriftlich beim zuständigen Jobcenter beantragt werden, ein Rechtsanspruch darauf besteht nicht.

Die Rückzahlung erfolgt durch Kürzung der monatlichen Geldleistung des Jobcenters. Sie beträgt laut Gesetz zehn Prozent. Die Jobcenter haben jedoch die Möglichkeit, die Rate nach unten anzupassen, wenn dies notwendig erscheint. Die Raten belaufen sich auf Beträge zwischen fünf und zehn Euro im Monat, der durchschnittliche Kredit vom Jobcenter betrug in 2014 365 Euro.

Findet der Kreditnehmer wieder eine Anstellung, ist die noch offene Darlehenssumme im Folgemonat der letzten HartzIV Zahlung in einer Summe zurückzuzahlen.

Es gibt auch nicht rückzahlbare Leistungen

Neben einem Kredit vom Jobcenter bestehen auch noch Optionen, Sonderleistungen zu erhalten, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Dazu zählen

  • Die Erstausstattung für ein Baby
  • Die Einrichtung für eine erste Wohnung
  • Klassenfahrt eines Kindes aus der Bedarfsgemeinschaft
  • Führerschein, wenn dieser notwendig ist, um einen neuen Arbeitsplatz anzutreten.

Für die Kostenübernahme des Führerscheins muss der Antragsteller neben der Bestätigung des künftigen Arbeitgebers auch einen Kostenvoranschlag der Fahrschule vorlegen.

Alternativen

Um es klar zu formulieren: Hat ein Bezieher von Grundsicherung Kreditbedarf, ist der einzig seriöse Weg der zum Jobcenter. Banken gewähren an HartzIV Empfänger grundsätzlich keine Kredite. Angebote wie „Darlehen auch bei Arbeitslosigkeit und HartzIV“ sind unseriös, die Anbieter verlangen häufig eine Bearbeitungsgebühr, ohne dass auch nur ansatzweise versucht wird, ein Darlehen zu vermitteln. Es gibt einige seriöse Vermittler für die sogenannten schufafreie Kredite, als Arbeitsloser hat man dort allerdings auch schlechte Karten.

Eine Kreditaufnahme bei Dritten gilt nebenbei als Eigenkapitalzufluss, der eine Kürzung der Leistungen des Jobcenters zur Folge hat. Wer sich bei einem Bekannten Geld leiht, sollte auf jeden Fall nur Bargeld in Empfang nehmen, keine Überweisung auf das Konto.

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